Oktober: Am Anfang ist alles neu

 

Wie starte ich mit einem Leben im Bus und Unterwegs auf unbegrenzte Zeit?

Man würde davon ausgehen, dass diesem Schritt eine Menge Planung und Vorbereitung vorangestellt wird. 

Die Fragen nach dem richtigen Equipment, einer detaillierten Packliste, einem Reiseführer und einer genaue Route muss doch irgendwie beantwortet werden? 

Für uns hat sich das alles, mehr oder weniger, spontan gestaltet. Der Busausbau war nach fünf Monaten gründlicher Planung und harter Arbeit endlich fertig und plötzlich waren wir unterwegs, denn wir wollten jetzt einfach nur los.

Natürlich haben sich unsere Gedanken schon seit einer langen Zeit um dieses Thema gekreist und es wäre nicht richtig zu behaupten, dass wir keine Ideen hatten. Feststand wir fahren Richtung Süden mit dem Ziel die Wintermonate in Portugal, Südspanien oder vielleicht sogar Marokko zu verbringen. Der Weg dorthin war offen und die eingeschlagenen Straßen sollten vom Wetter bestimmt werden. 

Diese Art des Reisebeginns passt irgendwie zu uns und hat sich bisher meistens so gestaltet. Wir haben schon oft Flüge nach Bangkok gebucht ohne vorher einmal in einen Reiseführer geschaut zu haben. Vor Ort haben wir dann entschieden ob es für die nächsten sechs Wochen nach Myanmar, Vietnam oder Kambodscha gehen soll. Am Ende sind vor allem die Fundamente einer Reise wichtig und dazu gehören ein Flug, vielleicht die erste Unterkunft, Versicherungen und diesmal eben vor allem unser Bus.

Für uns war der Start, bis auf die ein oder andere kleine Ausnahme, genau richtig so. Zu viel Planung und Kopfzerbrechen hätte weitere Tage zu Hause bedeutet und am Ende weiß man doch, dass es sich in der Praxis immer noch am besten lernt.

Nach einer kurzen Tour durch den Südwesten Deutschlands, wo wir Freunde und Familie besuchten, befanden wir uns also auf dem Weg nach Südfrankreich auf den Straßen neben der Autobahn, denn wir wollten uns das Geld für die Mautgebühren sparen.

 

 

Wie gestaltete sich also unser Start ins „Vanlife“ und in ein Leben „On The Road“.

Lass mich zu beginn so viel gesagt haben: Es war anstrengend und nicht nur romantisch und von einem Gefühl der Freiheit geprägt, sondern eher eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle. Zum Einem gab es da die emotionalen Gefühle der letzten Wochen und Monate, der große Abschied und das Realisieren, dass es nun endlich los geht. Ein paar Tage unterwegs spürten wir wie Schritt für Schritt der selbstauferlegte Druck der letzten Monate von uns abfiel. Schließlich waren wir nicht mehr täglich mit dem Ausbau des Busses beschäftigt sondern wir wohnten nun in unserem Bus und konnten unser Ergebnis endlich begutachten und uns daran erfreuen. Für viele ist es wahrscheinlich sehr verrückt, dass wir vor Reisebeginn nicht ein einziges Mal in unserem Bus geschlafen haben oder sogar eine kleine Probetour für ein paar Tage gemacht haben um alles auszutesten. Zugegeben ist es für uns auch etwas verrückt, aber irgendwie war dafür keine Zeit. 

Zum Anderen hieß es jetzt ein Leben und seine Tage im Bus und unterwegs zu gestalten, was alles komplett neu für uns war. Wir brauchten rund eine halbe Woche um 700 km, von Lörrach nach Südfrankreich, zu kommen und nach diesen Tagen hatte ich ein ähnliches Gefühl wie wenn man eine Woche lang nicht wirklich aus seinem Haus raus kommt. Das war ein seltsames Gefühl, denn eigentlich waren wir doch kontinuierlich unterwegs. Gleichzeitig war das vielleicht aber auch das Problem. Unsere Tage wurden gefüllt mit Autofahrten, Wasserkanister auffüllen, einen Zugang zu Wlan finden, einen Schlafplatz, am besten bevor es komplett dunkel ist, suchen und finden, Einkaufen, Kochen, Bett auf- und abbauen, Tisch auf- und abbauen, ab und an eine Dusche finden, Routen planen usw. Dadurch das alles neu war und zum Ersten mal gemacht wurde, dauerte auch alles etwas länger, denn man muss das Leben unterwegs verstehen und kennenlernen. Zudem haben wir schnell begriffen, dass der Lebensstil im Bus etwas langsamer ist, denn man brauch für manche Dinge, tägliche Hausarbeiten, auf kleinem Raum einfach mehr Zeit. 

 

 

Jetzt sind wir rund einen Monat unterwegs. Wir haben eine schöne Gegend in der Region Valencia bei Peñíscola entdeckt, sind in der Stadt Valencia gewesen und haben unerwartet zwei Wochen den Naturpark Cabo de Gata-Nijar in Andalusien erkundet. Von hier geht es jetzt weiter in den Süden wo wir zum ersten Mal Besuch bekommen. Es fühlt sich richtig an keinen hundert prozentigen Plan zu haben, denn dafür haben wir in der Vergangenheit schon viel zu oft die Erfahrung gemacht, dass auf einer Reise jeder Tag neu ist und meistens alles anders kommt als geplant. 

Wir haben immer mehr das Gefühl irgendwie angekommen zu sein und finden uns in unseren Routinen und Tagesabläufen ein. Wir wissen wo wir unseren Wasserkanister auffüllen können, wo und wie wir gute Schlafplätze finden, sind ein super Team im auf- und abbauen vom Bett, das Kochen geht viel schnell, denn wir haben uns an das Equioment gewöhnt, wir haben uns an das kalte Meerwasser oder an eine kalte Stranddusche gewöhnt, können unseren Bus innerhalb weniger Minute von einer Küche zum Wohnzimmer und zum Schlafzimmer umfunktionieren und so viel mehr. Dazu kommen ein paar „Vanlife“-Regeln, die wir für uns aufgestellt haben und uns stets versuchen daran zu halten. Hier sind ein paar unserer Regeln: Bevor man eine neue Sache anfängt, werden nicht mehr gebrauchte Dinge weggeräumt. Das bedarf etwas Disziplin, aber wenn man das einhält wird man am Ende mit weniger Chaos und anschließender aufwendiger Chaos Beseitigung belohnt. Das Bett wird unter der Woche vor 8:00 Uhr gemacht, egal ob es gemütlich im Bett ist, weil es draußen kalt ist, denn nur so kann der Tag produktiv beginnen. Wir suchen möglichst keinen Schlafplatz im Dunkeln, sondern kommen spätestens mit der Dämmerung an.

  

 

Das Leben unterwegs und im Bus macht Spaß. Wir haben nie zuvor so viele Sonnenaufgänge oder unzählige Sterne und Sternschnuppen aus dem Bett beobachtet. Ich bekomme einen ganz anderen Zugang zu einsamen Plätzen in der Dunkelheit und verliere meine Angst. Wir haben mehr Zeit für Dinge, die uns wirklich wichtig sind, auch wenn die Tage im Flug vergehen. Wir sind viele Stunde in der Natur und genießen die Sonne. Unsere Sehnsucht mehr von der Welt zu sehen, freier zu sein und die Chance zu haben an eigenen Projekten zu arbeiten wird erfüllt. All das mit einem neuen Ausblick, wann immer wir möchten, unser zu Hause immer dabei, denn wir haben einen endlos großen Garten vor unserem Bus.

 

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